Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Kraft
21.04.2026
Mit tiefer Trauer teilen wir mit, dass Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Kraft am 9. April 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist, wie uns in der heute zugegangenen Nachricht mitgeteilt wurde.
21.04.2026
Mit tiefer Trauer teilen wir mit, dass Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Kraft am 9. April 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist, wie uns in der heute zugegangenen Nachricht mitgeteilt wurde.
Mit ihm verliert die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München einen bedeutenden Hochschullehrer, einen wegweisenden Kliniker und einen Menschen, dessen Wirken Generationen von Tierärztinnen und Tierärzten geprägt hat.
Wilfried Kraft wurde am 19. Juni 1937 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Veterinärmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er 1962 sein Studium abschloss und 1964 mit der Dissertation „Die roten Blutzellsysteme beim Rinderfetus" promovierte. Nach Jahren als wissenschaftlicher Assistent in Gießen und einem Forschungsaufenthalt an der University of South Africa in Onderstepoort habilitierte er sich 1976 mit dem Thema „Schilddrüsenkrankheiten beim Hund". Von 1978 bis 2002 hatte er den Lehrstuhl für Innere Medizin, Dermatologie und Neurologie der kleinen Haustiere sowie klinische Labordiagnostik inne und leitete die I. Medizinische Tierklinik der LMU München. In dieser Zeit formte er das Fach der Inneren Medizin der kleinen Haustiere in Deutschland maßgeblich mit und baute die Klinik zu einem national wie international anerkannten Zentrum aus. Von 1992 bis 1993 war Prof. Kraft Prodekan, von 1993 bis 1995 Dekan der Tierärztlichen Fakultät.
Sein wissenschaftliches Erbe ist bis heute präsent. Als Herausgeber und Autor zahlreicher Standardwerke hat er das Wissen der tierärztlichen Inneren Medizin für Generationen von Praktikerinnen und Praktikern zugänglich gemacht: die Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin gehört ebenso zum unverzichtbaren Rüstzeug wie die Katzenkrankheiten – Klinik und Therapie oder die Dosierungsvorschläge für Arzneimittel bei Hund und Katze. Seine Veröffentlichungen stehen für seinen Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit verbunden mit unmittelbarer praktischer Anwendbarkeit.
Über seine klinische und wissenschaftliche Tätigkeit hinaus engagierte sich Prof. Kraft maßgeblich in der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG): er gründete die Fachgruppe Innere Medizin und Klinische Labordiagnostik (InnLab) und führte sie über viele Jahre als 1. Vorsitzender. Darüber hinaus initiierte er die Arbeitsgruppe VetKlin, die klinisch tätige Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer aus ganz Deutschland zusammenbrachte und jährlich fakultätsübergreifende Fragen diskutierte. Sein Engagement fand internationale Anerkennung: er war Ehrenmitglied der Hungarian Small Animal Veterinary Association und erhielt neben der Janos-Mocsy-Medaille Budapest die Medaillen der Universitäten Budapest, Breslau und Warschau sowie der Assiut-Universität Ägypten. Frankreich ehrte ihn mit dem Orden „Chevalier de l'ordre du Mérite Agricole". Für seine herausragenden Leistungen wurde ihm die Ehrendoktorwürde verliehen.
Wer Wilfried Kraft kannte, erinnert sich an einen Hochschullehrer, der Wissen mit Klarheit, Leidenschaft und viel Power vermittelte, und an einen Kollegen, dessen fachliche Tiefe und persönliche Wärme gleichermaßen unvergänglich bleiben. Seine Studierenden, Doktorandinnen und Doktoranden sowie die vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit ihm arbeiten durften, tragen sein Erbe weiter.
Die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München wird Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Kraft ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere Gedanken sind bei seiner Gattin sowie seinen Kindern und Enkelkindern.
Im Namen der Tierärztlichen Fakultät
Prof. Dr. Reinhard K. Straubinger, Ph.D.
Dekan